"Ein low level entry ist wichtig" – Maike Pletzer über Patagonia Action Works
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"Menschen handeln schneller, wenn ein Thema nicht abstrakt ist."
Interview mit Maike Pletzer, Patagonia Action Works Manager EMEA
Patagonia Action Works ist die Aktivismus-Plattform des Outdoorunternehmens Patagonia, die Menschen mit lokalen Umweltinitiativen verbindet und den Weg vom Interesse zum Handeln erleichtert. Maike Pletzer, Patagonia Action Works Manager EMEA, hat Action Works von Beginn an begleitet und aufgebaut und weiß, dass konkrete, niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten – von lokalen Events bis hin zu kompetenzbasierter Freiwilligenarbeit – besonders wichtig sind. Im Zentrum steht die Idee, Engagement erfahrbar zu machen und Menschen ein unmittelbares Gefühl von Wirksamkeit zu geben. Im Interview spricht Maike Pletzer darüber, wie aus ersten Berührungspunkten langfristiges Engagement entstehen kann, warum lokale Verankerung entscheidend ist und welche Rolle Vertrauen, Gemeinschaft und individuelle Fähigkeiten dabei spielen.
Was sind die wirksamsten Hebel, um Menschen vom reinen Interesse ins aktive Engagement zu bringen?
Maike Pletzer: Aus meiner Erfahrung kommen Interessierte zum Handeln, wenn Engagement konkret, niedrigschwellig und erfahrbar wird – das ist der klassische ‘Ärmel hochkrempeln und loslegen Moment’. Menschen werden schneller aktiv, wenn sie nicht nur das jeweilige Problem verstehen, sondern einen direkten low-level Einstieg sehen: das kann eine lokale Gruppe in der Nähe sein, eine konkrete Aufgabe die zu ihnen passt, ein Event in wenigen Tagen, etc. Entscheidend ist auch das individuelle Gefühl von Wirksamkeit. Selbst zu spüren, dass der eigene Beitrag zählt und das was eingebracht wurde wirklich etwas verändert. Der Unterschied zwischen „ich finde das wichtig“ und „ich werde aktiv“ entsteht oft in dem Moment, in dem Verantwortung persönlich und machbar erscheint. Oftmals dann, wenn es um Dinge geht, die in der direkten Umgebung passieren.
Was braucht es, damit aus dem „Match“ zwischen Menschen und Initiativen wirklich Engagement entsteht?
Maike: Aus meiner Sicht braucht es nicht unbedingt viel. Menschen möchten der Organisation vertrauen und sicher sein können, dass deren Engagement etwas bewirkt. Die ersten Berührungspunkte sollten einfach und nicht zu ‘fordernd’ sein. Der low-level entry is wirklich wichtig: Optionen wie zum Beispiel ein Community Event, ein Freiwilligen-Tag oder eine konkrete Kampagne (zum Beispiel mit einer Petition verknüpft) ermöglichen einen schnellen Einstieg. Wenn Mitmenschen sich in der Gemeinschaft willkommen fühlen, resultieren daraus nicht selten langfristige Engagements.
Was habt ihr über die Zusammenarbeit zwischen Individuen, lokalen Initiativen und größeren Organisationen gelernt?
Maike: Ich denke, dass ganz deutlich geworden ist, dass die Verantwortung im Kollektiv getragen werden muss. Wir brauchen die Freiwilligen, die ihre Zeit geben. Wir brauchen die lokalen Initiativen, die die Community zusammenbringen, sie organisieren und sich engagieren und wir brauchen die grösseren Organisationen für Ressourcen und Reichweite. Wir müssen nicht alle das Gleiche tun. Wichtig ist, dass sich die unterschiedlichen Rollen gegenseitig stärken und ergänzen.
Wie gestaltet ihr die Plattform, damit auch Menschen ohne Vorerfahrung einen Einstieg finden?
Maike: Ein zentrales Anliegen von Patagonia Action Works ist, die Einstiegshürden gering zu halten. Viele Menschen möchten sich engagieren, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen – dieses Problem kennen wir alle. Deshalb setzen wir auf konkrete Handlungsmöglichkeiten statt abstrakte Aufrufe. Diese sind u.a. "connecte dich mit lokalen Gruppen in deiner Nähe", "Events finden", "spezifische Skills einbringen" oder wir bieten eine thematische Orientierung. Hilfreich ist auch, Engagement nicht als exklusiv darzustellen und die NGO- und Aktivismus-Welt offener zu gestalten. Aktivismus beginnt immer mit einem kleinen ersten Schritt. Jeder Mensch schafft diesen Schritt.
Welche Formate oder Funktionen binden Menschen langfristig ein?
Maike: Eine Petition zu unterschreiben kann machmal eine einmalige Aktion bleiben. Zu einem Event zu gehen kann schon eher die Bindung verstärken und Motivation geben, um sich noch weiter zu engagieren. Bei Patagonia Action Works ist die kompetenzbasierte Freiwilligenarbeit ein Tool, bei dem wir die meisten längerfristigen Connections sehen. Engagierte setzen gezielt ihre Skills ein, um den NGOs zu helfen, z.B. durch Grafikdesign, Strategiearbeit, Kommunikation, Finanzen, HR, etc. Es macht Aktivismus extrem inklusiv und ermöglicht es jedem/jeder, sich remote – vom Komfort des eigenen Sofas aus – zu engagieren. Oft beobachten wir, dass dabei vertrauensvolle Beziehungen enstehen – zwischen Freiwilligen und NGOs –die lange anhalten.
Welche Rolle spielt die lokale Verankerung für Motivation und Verantwortungsübernahme?
Maike: Eine sehr große Rolle. Wenn das Engagement einen Bezug zum eigenen Lebensumfeld hat, wird die Verantwortung gleich als grösser und wichtiger erfahren. Menschen handeln immer eher, wenn ein Thema nicht abstrakt ist. Wenn ich sehe wie der Flughafen meiner Stadt expandiert werden soll und damit der letzte noch bestehende fruchtbare Boden für die Landwirtschaft zerstört werden soll – dann engagiere ich mich eher, als wenn es um etwas geht, was nicht in meiner Nähe stattfindet.
Eine persönliche Anekdote oder erfreuliche Geschichte aus der Initiative?
Maike: Was mich glücklich macht ist, wenn ich von NGOs Rückmeldungen dazu bekomme, wie sie bereits durch wenig Unterstützung Großes erreichen konnten. Eine Partnerin einer deutschen Organisation erzählte mir, dass sie einen qualifizierten Freiwilligen über Action Works gefunden haben, der ihnen bei Leadership und Coaching Topics helfen sollte. Nach anfänglicher Skepsis (der Freiwillige war aus den USA), haben sie erzählt, dass nun eine mehrjährige Freundschaft entstanden ist und sie in regelmässigem Austausch mit dem Engagierten stehen, der ihnen oft durch Coaching das Leben als NGO vereinfacht. Solche Momente zeigen, dass dieses Engagement nicht nur Beteiligung schafft, sondern daraus sogar Freundschaften und langjähriger Support entstehen kann. Ich denke darin liegt für mich das wirklich Wertvolle an Patagonia Action Works.
Über Patagonia Action Works
Hinter Patagonia Action Works steht ein sehr gut vernetztes internationales Team: Eine Handvoll Kolleg:innen arbeitet global direkt an der Plattform, unterstützt von weiteren Mitarbeitenden, die Action Works als Teil ihrer jeweiligen Funktionen mittragen – etwa in der Kommunikation oder im NGO-Support. Das Netzwerk wächst kontinuierlich: Derzeit sind rund 350 Organisationen Teil von Patagonia Action Works. Allein im Jahr 2025 kamen etwa 80 neue NGOs hinzu, die über das „1% for the Planet“-Förderprogramm Zugang zur Plattform erhalten haben. So entsteht ein stetig wachsendes Ökosystem aus lokalen Initiativen, das Engagement weltweit zugänglich macht.
Weitere Informationen stehen hier zur Verfügung.
Patagonia
Ansprechpartner
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Stefanie von Bentzel
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GESCHWISTER ZACK PR
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Tel: +49 151 15544292
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Stephanie Bartl
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GESCHWISTER ZACK PR
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Tel: +49 151 126 986 58
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