Haubenküche im Herbst: Wurzeln, Wild und Walser Genuss – 3 Rezepte aus dem Kleinwalsertal

Haubenküche im Herbst: Wurzeln, Wild und Walser Genuss – 3 Rezepte aus dem Kleinwalsertal
26.
August 2025
Kleinwalsertal

 Haubenküche im Herbst: Wurzeln, Wild und Walser Genuss – 3 Rezepte aus dem Kleinwalsertal

Wenn die Kühe wieder ins Tal ziehen, sich der Morgennebel über die Wiesen legt und in den Stuben erste Suppendüfte aufsteigen, beginnt im Kleinwalsertal die sinnlichste aller Jahreszeiten. Der Herbst bringt nicht nur Farben, sondern auch Geschmack: Wildgerichte, eingelegtes Gemüse, Honigaromen, geröstetes Wurzelgemüse, alte Getreidesorten – in einer Küche, die zeigt, wie tief kulinarische Heimat und moderne Küche miteinander verwurzelt sein können.

Wer ins Kleinwalsertal reist, trifft auf eine herbstliche Küche, die nicht laut sein muss, um zu beeindrucken: Rote Beete neben Quinoa, Saibling wird mit Holunder mariniert, Tannenwipfel veredeln den Kartoffellaib. Auf 36 Gipfel kommen 18 Hauben – ein Verhältnis, das sich sehen und schmecken lassen kann.

Wie sehr die Walser Küche in der Region verwurzelt ist – und dabei modern bleibt – zeigt das herbstliche Rezept von Andreas Ziep, Gastgeber und Küchenchef im Gasthof Bergblick: „Ehrlich, regional, mit einem Hauch Chichi – und Respekt fürs ganze Tier.“

Ziep verarbeitet bevorzugt Produkte aus nächster Nähe – vom Bodensee-Apfelsaft bis zur Bio-Zitrone – und verwandelt sie mit klarem Fokus auf Geschmack und Herkunft. Ein Beispiel dafür ist sein Gerstensalat mit buntem Gemüse und Kräutervinaigrette – ein Gericht, das nach Almwiese schmeckt.

Rezept: Gerstensalat mit buntem Gemüse und Kräutervinaigrette

Zutaten (für 4 Personen):

  • 200 g Gerste
  • 1 Lorbeerblatt, Safran oder Kurkuma
  • 1 Karotte, ¼ Sellerie, 1 Gurke
  • 40 ml Apfelbalsam, 40 ml Gemüsebrühe, 10 ml Tomatenwasser
  • Honig, Salz, Pfeffer
  • Frische Kräuter: Schnittlauch, Petersilie

Zubereitung:
Die Gerste wird gekocht, das Gemüse blanchiert und fein geschnitten, die Marinade aus Balsam, Tomatenwasser und Honig sanft eingekocht. Nach dem Ziehen entsteht ein leichter, aromatischer Salat mit süß-säuerlicher Tiefe – perfekt als Vorspeise oder Beilage.

Von der Jagd auf den Teller: Wild im Walsertal

Gerade im Herbst zeigt sich, was die Küche des Kleinwalsertals auszeichnet: Geschmack, der aus der Tiefe kommt. So wie beim Rezept von Jürgen Denk vom Wirtshaus Hoheneck – gebratener Rehrücken vom heimischen Wild mit geeisten Preiselbeeren und Buchenblättertropfen. Denk steht seit über 30 Jahren für ehrliche, bodenständige Küche und bringt das Beste der Region auf den Punkt:

„Kreativ-ursprünglicher Geschmack – so ist kurz und knapp beschrieben unsere Küche.“

Rezept: Gebratener Rücken vom heimischen Reh

Zutaten (für 4 Personen):

  • 700 g ausgelöster Rehrücken
  • Salz, Pfeffer, Wildgewürz
  • 125 g frische Preiselbeeren
  • 50 ml Läuterzucker
  • Zimt, Anis, Nelken
  • 300 g Knödelbrot
  • 150 ml Milch, 3 Eigelb, 1 Eiweiß
  • 100 g Ländletopfen, frische Kräuter je nach Saison (z. B. Bärlauch oder Buchenblätter)

Zubereitung:
Der Rehrücken wird zunächst sous-vide gegart oder klassisch im Ofen zartrosa gebraten. Die geeisten Preiselbeeren werden mit Gewürzen und Läuterzucker leicht eingekocht und tiefgekühlt. Die Buchenblättertropfen, eine Art Kräuterknödel, bringen alpine Frische auf den Teller. Das Gericht verbindet Wildaroma, Frucht und Kräuter in perfekter Harmonie – herbstlich, elegant und regional verankert.

Jeremias Riezler, Gastgeber im Biohotel Walserstuba, ist ein Original aus dem Kleinwalsertal und kocht nach dem Prinzip: Alle Zutaten müssen aus der Region stammen. Am liebsten kreiert er dabei Gerichte, die möglichst viele Geschmacksnerven treffen – so auch bei diesem Sugo mit ursprünglichen Walser Zutaten. Als Gründungsmitglied der „Önsche Walser Chuche“ engagiert er sich für den Erhalt des kulinarischen Walser Erbes – und das schmeckt man.

Rezept: Jeremias‘ Sugo vom Walser Steinbock mit schwarzem Holunder

Zutaten für 4 Personen:

  • 500 g Hackfleisch vom Steinbock oder anderes Wild-Hack
  • 1 Zwiebel, fein gewürfelt
  • je 50 g feine Karotten- & Sellerie- oder Pastinaken-Würfel
  • 2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
  • ¼ Liter Holunder-Muttersaft
  • ¼ Liter Bockbier
  • ¼ Liter Rotwein
  • 100 g Preiselbeer-Marmelade
  • 1 Mokkalöffel fein gemahlene Wildgewürz-Mischung, bestehend aus Thymian, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, Salbei, Pfeffer, Senf, einem Hauch Nelke & Lavendel
  • 3 Wachholderbeeren, zerstoßen
  • 5 g Natur-Salz
  • 2 Esslöffel Miso von alpinem Urgetreide
  • 1 Esslöffel Stärkemehl
  • 80 g Butterschmalz

Zubereitung:

Butterschmalz in großem Topf erhitzen, Zwiebeln glasig dünsten. Wurzelgemüse und Fleisch zugeben, kräftig anbraten, dann Knoblauch einrühren. Hackfleisch mit Schneebesen ca. 5 Min. zerkleinern. Mit Bier, Wein und Saft ablöschen, Marmelade und Gewürze zugeben, aufkochen. Bei kleiner Hitze ca. 1 Std. köcheln lassen. Miso einrühren, Stärke in Wasser anrühren und Sugo leicht binden. Abschmecken. Zum Servieren idealerweise nochmals erwärmen. Hält 5 Tage im Kühlschrank, auch zum Einfrieren geeignet. 

Kleinwalsertal Tourismus

Ansprechpartner

  • Linnea Bronner
  • Maria von Kirschbaum

Medien

Koch Andreas Ziep. Copyright: Bergblick - der Gasthof
Koch Andreas Ziep. Copyright: Bergblick - der Gasthof
Jürgen Denks herbstliches Rehgericht. Copyright: Isenhoff
Jürgen Denks herbstliches Rehgericht. Copyright: Isenhoff
Jeremias Riezlers Steinbock-Sugo. Copyright: Isenhoff
Jeremias Riezlers Steinbock-Sugo. Copyright: Isenhoff
Koch Jürgen Denk. Copyright: Kleinwalsertal Tourismus | Oliver Farys
Koch Jürgen Denk. Copyright: Kleinwalsertal Tourismus | Oliver Farys
Jeremias Riezler von der Walserstuba. Copyright: moving pictures
Jeremias Riezler von der Walserstuba. Copyright: moving pictures
Lade...