Wachsende Belastungen gefährden den Vjosa Wildfluss-Nationalpark – dringender Handlungsbedarf

Wachsende Belastungen gefährden den Vjosa Wildfluss-Nationalpark – dringender Handlungsbedarf
01.
Juli 2025
Tirana, Wien, Radolfzell

Hinweis zur Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von EcoAlbania, Riverwatch und EuroNatur


Wachsende Belastungen gefährden den Vjosa Wildfluss-Nationalpark – dringender Handlungsbedarf

Tirana, Wien, Radolfzell – 1. Juli 2025 –  Rund zwei Jahre nach ihrer historischen Ausweisung als Europas erster Wildfluss-Nationalpark im März 2023 steht die Vjosa weiterhin unter ständigem Druck. Bergbau- und Förderindustrie, der Ausbau der Infrastruktur sowie Missmanagement gefährden die ökologische Integrität des Nationalparks - und seinen globalen Naturschutzwert. Wenn die albanische Regierung diese Belastungen weiterhin ignoriert, besteht die Gefahr, dass der Vjosa-Wildfluss-Nationalpark zu einem „Papierpark“ bleibt, der zwar rechtlich besteht, aber in der Realität keinen Schutz bietet.

Gleichzeitig strebt die albanische Regierung den Status eines UNESCO-Biosphärenreservats für das Vjosa-Tal an. Solange jedoch die beschriebenen Bedrohungen für die Vjosa nicht angegangen und bewältigt werden, wird die Aufnahme in die Liste der Biosphärenreservate nur symbolisches Prestige bedeuten; ein wirklicher Schutz vor Ort bliebe aus.

Ein neuer Bericht – “Mapping Pressures in the Vjosa Wild River National Park” – dokumentiert die genannten Bedrohungen im Detail. Die Analyse, die der Nationalen Agentur für Schutzgebiete in Albanien im März 2025 vorgelegt wurde, unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf der Regierung. Hier finden Sie die wichtigsten Bedrohungen kartiert sowie in einem Factsheet zusammengefasst (auf Englisch).


Die größten Bedrohungen für den Vjosa-Wildfluss-Nationalpark

  1. Ölförderung: Unzureichend überwachte Ölförderung bedroht die Biodiversität und die Wasserqualität der Vjosa. Es wurden zahlreiche Öllecks dokumentiert, die das Wasser verunreinigen und die aquatischen Ökosysteme schädigen. Obwohl der Managementplan des Nationalparks ein Verbot vorsieht, kommt es Berichten zufolge immer wieder zu unkontrollierten Ölverschmutzungen entlang der Flussufer.
     
  2. Bitumengewinnung und -verarbeitung: Der Abbau von Bitumen - einem schwarzen, klebrigen Stoff, der aus Erdöl gewonnen wird - im mittleren Teil des Flusses verursacht schwere Umweltschäden. Die illegale Entsorgung von Bergbauabfällen dauert an und gefährdet Lebensräume und Wassersysteme. Diese Praktiken sind zwar verboten, doch werden diese Verbote nur unzureichend geahndet.
     
  3. Wasserentnahme: Die übermäßige Wasserentnahme für die Landwirtschaft, die Industrie und den Tourismus trägt zu einer Verringerung der Wassermenge im Fluss bei, was wiederum die aquatischen Ökosysteme und die flussabwärts gelegenen Gemeinden beeinträchtigt. Da der Klimawandel die Wasserverfügbarkeit in der Vjosa bis 2050 voraussichtlich um 30 Prozent verringern wird, wird die unkontrollierte Wasserentnahme zu einer noch größeren Bedrohung.
     
  4. Kiesentnahme: Die kontinuierliche Kiesentnahme an der Vjosa beeinträchtig die Hydrologie des Flusses, zerstört die Laichplätze der Fische und destabilisiert das Flussbett.
     
  5. Städtische Abfälle und Abwässer: Eine unzulängliche Abfall- und Abwasserwirtschaft verschmutzt  die Vjosa und gefährdet die Tierwelt sowie die öffentliche Gesundheit. Mülldeponien befinden sich oft zu nahe an den Ufern des Flusses, so dass die Gefahr einer Verschmutzung bei Hochwasser besteht. Ländliche Gebiete tragen in erheblichem Maße zur Kunststoffverschmutzung bei, und unbehandelte Abwässer werden direkt in die Vjosa eingeleitet.

Zusätzlich zu diesen fünf Hauptbedrohungen gefährdet die unkontrollierte Entwicklung des Tourismus die ökologische Integrität des Vjosa-Wildfluss-Nationalparks. Während nachhaltiger Tourismus willkommen ist, stellt die rasche und schlecht geplante Expansion von touristischer Infrastruktur eine Herausforderung für die Erhaltung von Lebensräumen, das Besuchermanagement und die ökologische Widerstandsfähigkeit dar.


Was jetzt geschehen muss

Die Schwere einiger dieser Umweltverschmutzungen würde selbst außerhalb eines Schutzgebiets als Umweltverbrechen gelten. Im Kontext eines neu gegründeten Nationalparks sind solche Verstöße besonders alarmierend und erfordern dringende Maßnahmen, um die Glaubwürdigkeit der Ausweisung als Schutzgebiet zu bewahren. Daher fordern wir die albanische Regierung sowie das Ministerium für Tourismus und Umwelt auf:

  • Strenge Vorschriften durchzusetzen, um extraktive und umweltverschmutzende Aktivitäten wie Bitumenabbau, Ölverschmutzungen und Kiesgewinnung zu überwachen und zu verhindern.
  • Unternehmen der Rohstoffindustrie zu verpflichten, Renaturierungsprojekte nach dem Verursacherprinzip („Polluter Pays“-Prinzip) zu entwickeln und umzusetzen.
  • Die Wasserentnahme streng zu kontrollieren und gemeinsam mit den Gemeinden und dem Landwirtschaftsministerium Maßnahmen zu ergreifen, um eine unsachgemäße Nutzung zu verhindern.
  • Die Standorte kommunaler Mülldeponien zu überprüfen und ggf. zu verlegen, um Plastikverschmutzung der Gewässer zu verhindern. Zudem müssen die Gemeinden Maßnahmen zur Sanierung bestehender Deponien erarbeiten und umsetzen sowie ihre Abfallwirtschaftssysteme und Kläranlagen verbessern.
  • Die unkontrollierte Entwicklung und Ausweitung touristischer Infrastruktur in der Nähe des Nationalparks strikt zu überwachen, da diese die Biodiversität gefährdet und die Schutzziele des Parks untergräbt.

Warum die Vjosa wichtig ist

Das Flusssystem der Vjosa beheimatet über 1.100 Arten, darunter 13 weltweit bedrohte Tierarten, und zählt zu den letzten großen, frei fließenden Flüssen Europas. Ihre Ausweisung als IUCN-Nationalpark der Kategorie II war ein bedeutender Meilenstein für den internationalen Flussschutz.

„Dieser Park wurde weltweit gefeiert, aber die Realität vor Ort sieht ganz anders aus. Ohne entschlossenen politischen Willen droht die Vjosa nur auf dem Papier geschützt zu sein,“ sagt Olsi Nika von EcoAlbania.


Im beiliegenden Word-Dokument stehen weitere Hintergrundinformationen, Pressekontakte sowie Bildmaterial-informationen zur Verfügung. Bitte beachten Sie die Credits.
 

Patagonia

Ansprechpartner

  • Stephanie Bartl
  • Stefanie von Bentzel

Medien

Oil Well © Riverwatch
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Crude oil spilling into Vjosa © Riverwatch
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Tepelena Municipality Dump Majkosh © Joshua.D.Lim.
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